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Kinder und Jugendliche haben oft andere Bedürfnisse und Konflikte, die Erwachsene nur schwer nachvollziehen können. Häufig haben sie den Eindruck, dass das Leben nur aus Regeln und Gesetzen bestehe, die sie teilweise nicht nachvollziehen können. Neben den unveränderlichen Gegebenheiten des Lebens ist aber auch Vieles, das unangenehm, traurig oder unerträglich ist, veränderbar.
Arbeit und Beruf stellen eine der wichtigsten Säulen unserer erwachsenen Identität dar. Aus diesem Grund ist es für viele Menschen höchst beunruhigend und verunsichern, wenn in diesem Bereich Schwierigkeiten auftreten (vgl. auch Mobbing, Burnout, Stress, Arbeitslosigkeit).
Die häufigsten Themen die junge Erwachsene beschäftigen: Der unsichere Arbeitsmarkt, Zweifel an der Ehe und Beziehungen, fehlende Mentoren – und ihre Eltern. Das sagt jedenfalls Deborah Duley, Psychotherapeutin und Gründerin von “Empowered Connections”, einer psychotherapeutischen Praxis, die sich auf Mädchen, Frauen und LGBTQ-Patienten spezialisiert hat.
“Wir haben uns von einer elternzentrierten Gesellschaft zu einer kinderzentrierten Gesellschaft entwickelt. Diese Generation ist das Produkt der Veränderung unseres Erziehungsfokus’,” sagt Duley zur HuffPost. “Folglich höre ich ständige Beschwerden darüber, dass Eltern das Leben ihrer erwachsenen Kinder bis ins kleinste Detail planen. Bis zu dem Punkt, wo es sie erdrückt und überfordert.”
Damit ist die Therapeutin nicht alleine. Viele ihrer Kollegen lernen in ihrem Arbeitsalltag junge Menschen kennen, die dieses Problem teilen. Wie es in verschiedenen Fällen dazu kommen konnte, erzählen sie der HuffPost.
“Das größte Problem, das ich bei jungen Erwachsenen und ihren Eltern sehe, ist eines, über das sie sich nicht beschweren – weil sie es selbst nicht wahrnehmen”, sagt Therapeutin Tara Griffith aus San Francisco.
“Ich weiß, dass es ein Problem gibt, wenn eine Mutter für ihren 28-jährigen Sohn einen Therapie-Termin ausmacht”, erklärt sie. “Die Eltern von jungen Erwachsenen sind notorische Helikopter-Eltern. Das hindert junge Erwachsene daran, unabhängig zu werden und ihre eigenen Probleme zu lösen.”
“Ein Thema, das ich im Zusammenhang mit Eltern-Kind-Beziehungen oft höre, ist, dass man sich nicht gut genug fühlt”, so Psychotherapeutin Duley.
“Junge Erwachsene sind mit Eltern aufgewachsen, die hohe Erwartungen haben. Versagen soll nicht nur verhindert werden, sondern wird in einigen Fällen gar nicht geduldet. Eltern wollen, dass ihre Kinder erfolgreich sind. Doch mittlerweile ist die Botschaft, dass man ein Versager ist, wenn man nach den Maßstäben der Eltern nicht erfolgreich ist”, erklärt die Expertin der HuffPost.
″Frauen dieser Generation haben es besonders schwer. Sie müssen mit einer oft intoleranten Gesellschaft und den sozialen Medien umgehen, die ihnen einreden wollen, sie müssen sich in irgendeiner Weise verbessern. Dazu noch die Missbilligung der Eltern und es kann fatal enden”, warnt Duley.
“Ich habe Frauen gesehen, die in ihrem emotionalen Wachstum stehen geblieben sind, weil sie so viele Meinungen darüber gehört haben, wer sie sein sollten”, sagt sie.
Gina Delucca, eine amerikanische Psychologin, beschäftigt ein anderes Problem. ”Manche meiner Patienten haben sich beschwert, dass ihre Eltern nicht an Therapie ‘glauben’ oder sie als Zeichen von Schwäche begreifen”, sagt sie der HuffPost.
“Für diese Eltern ist Therapie mit einem Stigma behaftet. Das führt oft dazu, dass sich erwachsene Kinder wertlos oder missverstanden fühlen. Oder sie glauben, nicht ‘stark genug’ zu sein, um ihre eigenen Probleme zu bewältigen”, erklärt sie.
“Manche Patienten sagen dann, sie seien frustriert, weil sie mit ihren Eltern nicht offen über ihre psychischen Probleme sprechen können”, so die Expertin.
“Eine weitere Konstante ist die fehlende Anleitung für den Umgang mit negativen Gefühlen und Erfahrungen”, so Duley.
“Immer wieder sehe ich junge Frauen gewaltig mit der Bewältigung ihrer negativen Gefühle kämpfen. Sie haben gelernt, negative Gefühle zu jedem Preis zu vermeiden. Ihnen wird eingetrichtert, dass Angst ein normaler Teil des täglichen Lebens einer Frau ist und dass sie dagegen einfach eine Tablette schlucken oder diese Gefühle durch andere ungesunde Methoden komplett ausblenden sollen.”
Doch das hält die Therapeutin für alles andere als sinnvoll.
“Ich glaube, das ist die schädlichste Botschaft, die man seinem Kind mitgeben kann”, warnt sie. “Es verändert für diese Frauen alles, wenn sie verstehen, dass negative Gefühle normal sind, man mit ihnen rechnen muss und sie sogar sinnvoll sein können. Am meisten arbeite ich mit dieser Generation daran zu lernen, ihren Gefühlen nicht hilflos ausgesetzt zu sein, sondern gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln.”
Quelle: Brittany Wong, focus.de
Wenn wir nichts unternehmen, dann werden wir höhere Ausfallsquoten aufgrund psychologischer Probleme haben, weniger junge Erwachsene werden sich für die Lehre entscheiden, fehlende Fachkräfte, weniger Umsatz, weniger Beschäftigte usw.
Was kannst du daraus für deine Lehrlinge mitnehmen:
1.Wie geht es dir heute?
2.Was hat dir heute am meisten gefallen?
3.Was hat dir überhaupt nicht gefallen?
4. Höre aktiv zu, reflektiere mit höchster Absicht es verstehen zu wollen.
Dein Vedran